Abgesehen von den täglichen Nachrichten über den Krieg in der Ukraine ist das Land, seine Geschichte, Kultur und Gesellschaft für viele Menschen in Deutschland nach wie vor ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. In den letzten Jahren erschienen zwar zahlreiche literarische Übersetzungen, Sachbücher und Dokumentarfilme zur Ukraine, doch sind diese einem breiteren Publikum in Kehl und Umgebung kaum bekannt. Dies trifft in gleichem Maße auf die mangelnde Kenntnis hinsichtlich der Weiterentwicklung und Entstehung von Forschungszentren und Studiengängen im Bereich der Ukrainistik zu, bspw. des Centers for Polish and Ukrainien Studies an der Europa-Universität-Viadrina in Frankfurt Oder oder des Slavischen Seminars an der Universität Freiburg. Trotz des mit Kriegsbeginn gewachsenen Interesses an der Ukraine, der Sensibilisierung und Empathie hinsichtlich der Leidenserfahrungen von Ukrainerinnen und Ukrainern, vor Ort und in der Ukraine, sind im Landkreis Ortenau im Südwesten von Deutschland noch keine längerfristigen zivilgesellschaftlichen Projekte entstanden. Es gibt bspw. noch keine Schulpartnerschaft oder eine Kooperation auf kultureller und kirchlicher Ebene in der Region. Dies ist selbstverständlich auch der ungewissen und dramatischen Situation in der Ukraine geschuldet.
Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hob in seiner Rede zur Verleihung des Heinrich-Heine-Preises 2022 die Bedeutung der Literatur für die Erinnerung an das Leid der Menschen und für die Gestaltung einer gerechten Zukunft hervor. Dementsprechend besteht das Ziel der Veranstaltungsreihe mit Prof. Roman Dubasevych und ukrainischen Autor:innen in der Förderung der deutsch-ukrainischen Verständigung und Zusammenarbeit. Die Begegnung mit der ukrainischen Gegenwartsliteratur soll die Teilnehmenden dazu ermutigen, sich intensiver mit ukrainischer Literatur und daraus ableitend mit unterschiedlichen Haltungen und Vorstellungen zur Gegenwart und Zukunft der Ukraine zu beschäftigen. Die eingeladenen Gäste bilden einen Querschnitt der gegenwärtigen Diskussionen innerhalb der ukrainischen Gesellschaft. In ihren Texten werden unterschiedliche individuelle und kollektive Erfahrungshorizonte sichtbar, die den Leserinnen und Lesern einen tieferen Einblick in die Lebenswirklichkeiten von Menschen in der Ukraine vermitteln. So vertreten Prof. Dubasevych wie auch die eingeladenen Autor:innen unterschiedliche Positionen hinsichtlich diverser Herausforderungen, vor denen die Ukraine heute steht, bspw. bezogen auf die Frage nach der kulturellen Identität bzw. kultureller Identitäten in einem europäischen Kontext sowie in Hinblick auf den beabsichtigen Beitritt der Ukraine in die Europäische Union. Hierzu gehört auch die wichtige Frage nach dem Umgang mit der russischen Sprache und Kultur. Die Veranstaltungsreihe soll die Teilnehmenden für diese und andere Fragen sensibilisieren und das Interesse an der Ukraine als ein in vielerlei Hinsicht vielfältiges Land wecken.
Die Förderung der deutsch-ukrainischen Beziehungen im Kontext des europäischen Einigungs- und Integrationsprozess ist eines der Ziele der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft Ortenau. Hierfür spielt die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft möchte hier ähnlich wie andere bilaterale Kulturgesellschaften eine Vermittlerrolle einnehmen, indem sie deutsche zivilgesellschaftliche Akteure an Partnerorganisationen in der Ukraine vermittelt und bei den ersten Schritten der Zusammenarbeit unterstützt. Die Veranstaltungsreihe will die Teilnehmenden durch die Gespräche und den direkten Kontakt mit den eingeladenen ukrainischen Gästen hierzu ermutigen. Darüber hinaus soll die Veranstaltungsreihe Impulsgeberin für weitere Veranstaltungen und Kooperationsprojekte werden.
Die Veranstaltungsreihe richtet sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichen Alters und Vorkenntnissen sowie an ukrainische Geflüchtete aus Kehl und Umgebung, einschließlich Strasbourg. Sie soll simultan gedolmetscht werden. Dies ermöglicht einen Austausch mit den eingeladenen Gästen sowie zwischen den deutsch- und ukrainisch sprachigen Teilnehmenden.
Ansprechpartner:
Martin Kujawa
E-Mail: m.kujawa@dog-o.org.de
Tel.: + 49 171 944 3098